Cape town – drifting apart and holding together

Unsere erste Tour in Kapstadt brachte uns gestern auf die Robben Island. Rund 7 km vom Festland entfernt, wurde die Insel im 19. Jahrhundert zur Isolierung von vor allem Leprakranken genutzt. Ab den 1960er Jahren wurden dort wieder politische Gefangene inhaftiert. Die Insel galt bis 1991 als Hochsicherheitsgefängnis. Der prominenteste Insasse war wohl Nelson Mandela, der 18 Jahre dort inhaftiert war (von insgesamt 27 Jahren).

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Blick in Nelson Mandela’s Zelle

Ein ehemaliger politischer Gefangener führte uns durch die Zellen. Interessant war die fast filmreife Geschichte vom starken Zusammenhalt, den die politischen Häftlinge auf Robben Island entwickelten. Die Freiheit des Volkes als oberstes Ziel wurde selbst durch diverse Foltermethoden nicht aus den Augen verloren. Beeindruckend war der innere Frieden mit dem er von seinen ehemaligen Peinigern erzählte und vom Staat nach Ende der Apartheid, der seine Kämpfer (sofern sie nicht in politischen Funktionen landeten) erst zehn Jahre später mit sehr langsam wachsender Unterstützung bedachte.
(Beeindruckend waren übrigens auch die Wellen bei der Rückfahrt – vor allem, wenn man jene der Adria gewohnt ist.)

Und auch wenn man davor schon einiges davon gelesen hatte: erschreckend ist es dennoch, dass die Apartheid, die Trennung von Schwarz, Coloured und Weiß, erst vor 20 Jahren, 1994, ihr legislatives Ende fand. Nachdem ein Land derartig starken Einschnitten nicht von heute auf morgen entwachsen kann, sind die Einflüsse und Nachwehen dieser Zeit allgegenwärtig. Ein wichtiges öffentliches Verkehrsmittel, die metrorail (entspricht bei uns der S-Bahn) kennt nach wie vor zwei Klassen. Die erste Klasse und die dritte Klasse. Preisunterschied: ein Drittel mehr für die erste Klasse. 50% des Zuges werden als erste Klasse geführt. Die Sitze dort sind gepolstert, die anderen nicht. Ansonsten gibt es nicht viele Unterschiede. Die erste Klasse wirkt wie eine alte Wiener S-Bahn (+ ein extra Sitz pro Reihe), die dritte Klasse wie eine Londoner U-Bahn. Nur die Mitfahrenden gestalten sich anders. In der ersten Klasse sind alle Hautfarben vertreten, in der dritten Klasse nur dunkelhäutige Gesichter… dort hatte ich wieder einmal das bunter-Hund-Gefühl.

Dies nur als ein Beispiel der vielen Trennlinien die nach wie vor durch Kapstadt, durch die Gesellschaft führen. Hippe Locations wie ein Cafe im industrial-western Style, das auch in Berlin angesiedelt sein könnte, wird fast ausschließlich von Weißen besucht, während Dunkelhäutige dort bedienen. Das Erbe der Apartheid ist im Alltag sehr präsent.

Morgen geht’s für uns erst mal raus aus der Großstadt, entlang der Küste des Western Cape und rein in die Winelands. Wir haben uns nun für ein Mietauto als Fortbewegungsmittel für das nächste Monat entschieden. Flexibel, mit Berücksichtigung notwendiger Zwischentransporte günstiger als der Backpackerbus und wir können selbstständig die Nationalparks besuchen.

 

Eine Anmerkung zu “Cape town – drifting apart and holding together

  1. Heinz

    Im Kap der guten Hoffnung kenne ich eine Bucht, in der ich schon Wellenreiten wollte, hatte aber zuviel Angst.
    Ihr kommt sicher vorbei , denkt an uns.
    Wir sind nämlich jetzt beim Roithmeier und denken an euch.
    Lg
    Heinz

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