Allerlei Eindrücke

Nachdem wir nun schon ein Monat in Südafrika unterwegs sind, ist es an der Zeit ein paar Eindrücke aus dem täglichen (Rucksackler-)Leben zusammenzufassen.

Wie wir schon zu Beginn in Kapstadt festgestellt haben, sind die Nachwehen der Apartheid allgegenwärtig. Während unser Reise waren wir bis jetzt zwei Mal in einer Unterkunft die von dunkelhäutigen Menschen geführt wird: einmal in Kapstadt und nun hier in Johannesburg. Es entwickelt sich langsam eine schwarze Mittelschicht, die vor allem in den drei größten Städten unterwegs ist. Ansonsten bewegt man sich als Reisender aber überwiegend in einer „weißen Blase“. Man kann es grob runter brechen auf: Schwarze bedienen, putzen, gärtnern, Weiße besitzen und vermieten. Häuser und Ländereien befinden sich zum Großteil in weißer Hand, die ca. 9 % der Bevölkerung ausmachen. Reformen, die den ungleichen Besitzverhältnissen entgegen steuern, sind ein großes politisches Thema hier.

Anders in Lesotho, wo es wenige und für dieses Land relativ hochpreisige Unterkünfte gibt die alle von Basotho geführt werden und es Beschränkungen für Käufe und Investitionen für Ausländer gibt. Die Menschen am Land wissen dort jedoch noch recht wenig mit Reisenden anzufangen. Restaurants? Nur in der Hauptstadt Maseru. Wanderwege oder -touren? Dazu muss man schon den richtigen Leuten begegnen und wissen wohin. Straßen? 18% sind geteert. Der Gesamteindruck von Lesotho war dennoch sehr positiv, nicht nur wegen der wunderschönen Berglandschaft, sondern weil wir auch ein sehr starkes Gefühl von positiver Aufbruchstimmung vermittelt bekamen.
Der Bezirk in Johannesburg in dem wir derzeit wohnen, Maboneng, ist ebenfalls getränkt davon. Viele Umgestaltungs- und Restaurierungsprojekte von alten Gebäuden sind hier am Laufen. Künstler werten den Bezirk auf, viele neue Cafes und Restaurants im Industrial-Style machen die Umgebung für die aufstrebende Mittelklasse interessant.

Beide Länder haben im Bildungsbereich noch einiges zu tun, wobei Lesotho hier wohl noch mehr zu schaffen hat. Aus Lesotho kann ich dazu allerdings nicht viel berichten, außer dass die Leute mit Bildung (weiterführende Schulen, Uni) scheinbar dazu angehalten werden ihr Wissen in die Dörfer zu tragen.

In Südafrika hatte ich den Eindruck, dass sich neben den spezifischen Institutionen etliche Radiosender dem Bildungsauftrag angenommen haben. Bei den meisten österreichischen Radiosendern ging diese Funktion im Laufe der Zeit und zu Gunsten des Mainstream-Happy-Peppi- und Schlagzeilen-Gequatsche ja immer mehr verloren. Während unseres Aufenthalts wurde über folgende Themen oft sehr umfassend informiert (diese Auswahl ist natürlich nicht repräsentativ ;)): Gewalt gegenüber Frauen und Kinder, Schwangerschaft von Teenagern, Sexualerziehung, HIV, Sicherheit auf den Straßen hinsichtlich der Erhöhung der Anzahl von Verkehrspolizisten und die Verwendung von Gurten und Kindersitzen, Malaria vor allem in Bezug auf die Nachbarstaaten da die Krankheit in Südafrika nur an der Grenze zu Mosambik vorkommt, Stromverbrauch und -produktion …und das alles meist durchzogen und gespickt mit Zitaten von Nelson Mandela, dem Vater der Nation.

Die Geschichte mit dem Strom dürfte momentan ein sehr brennendes Thema sein. Der Verbrauch des Landes ist zu hoch und die staatliche Produktionsgesellschaft kann die erforderliche Menge nicht bereitstellen. Deshalb werden ganze Landesteile immer mal wieder für 2-3 Stunden abgedreht. Hierzulande load shedding genannt, was ab und an auch unsere Hostels betraf.

Und nachdem der Beitrag jetzt schon viel länger als geplant ist, werde ich an dieser Stelle für heute schließen. Stay tuned!

Weiterführender Link zum Bezirk Maboneng:
http://www.mabonengprecinct.com/

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