900 km in 24 Stunden: per Zug durch Sambia

Der Nordosten Sambias bietet, abgesehen von wenigen hochpreisigen Lodges in den Nationalparks, nahezu keine Unterkünfte, daher war für uns die Bahnreise mit „Tansania Zambia Railways“, kurz Tazara, die beste Option günstig und bequem an die tansanische Grenze zu kommen.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit mit Tazara innerhalb von zwei Tagen vom sambesischen Kapiri Mposhi nach Dar es Salaam in Tansania zu reisen. Nachdem wir uns für Tansania aber wieder mehr Zeit lassen möchten, fuhren wir nur in den Grenzort Nakonde.

Los ging’s um 8.30 Uhr per Bus in Lusaka, da die Hauptstadt Sambias kein Teil dieser Zugverbindung ist. Der Startbahnhof befindet sich im rund 200 km entfernten Kapiri Mposhi. Pro Woche fahren zwei Züge nach Tansania. Laut Fahrplan war die Abfahrt für unseren Zug um 14 Uhr anberaumt, wonach wir also 5,5 Stunden Zeit hatten die 200 km nach Kapiri zu schaffen. Verschiedene Informanten ließen uns vorher wissen, dass die Busse für diese Strecke normalerweise 2,5 bis 3 Stunden bräuchten… wenn denn alles gut läuft. Wir hatten Glück. Unser Bus blieb nur kurz auf der Strecke liegen, war aber nach gut einer Stunde wieder repariert und wir kamen zeitgerecht um 13.30 Uhr am Bahnhof an. (Anmerkung am Rande: wir fuhren zweimal in Sambia mit dem Bus und zweimal fielen diese unterwegs aus.)

Nach kurzer Wartezeit ließ der Lokführer dann um 15.00 Uhr das Abfahrtssignal ertönen und schon ging’s los. Wir hatten für 17 Euro pro Person zwei Betten erster Klasse gebucht. Da Tazara die Abteile nicht gemischtgeschlechtlich vergibt (außer man bucht das gesamte 4er-Abteil sofern jemand in der Buchungszentrale abhebt, was bei uns leider nicht der Fall war), starteten wir zu Beginn mit entgegenkommenden Mitreisenden eine kleine Revolte gegen das Zugpersonal und setzten ein gemischtes Abteil durch. Vor dem Hintergrund einer hohen Vergewaltigungsrate ist dieses System ja durchaus positiv zu verstehen, da es allein reisende Frauen in der ersten und zweiten Klasse schützt. Es reisen jedoch auch viele Paare mit dem Zug, für die diese Ausschließlichkeit ärgerlich sein kann. Aber weder eine funktionierende Kommunikation der Buchungsbüros noch ein einwandfreies Buchungssystem sind Stärken von Tazara. Manche Abteile waren überbelegt, andere wieder leer; im Falle des Falles vor Ort auszuhandeln.

Der große, unbestrittene Pluspunkt dieses Fortbewegungsmittel ist, dass die Schienen größtenteils fernab der Hauptstraßen verlaufen und die Reisenden das ländliche Sambia auf sichere und relativ bequeme Art und Weise kennenlernen. Steppe, Busch und Wald soweit das Auge reicht. Dazwischen immer wieder Siedlungen mit einigen Ziegelhäusern und vielen Lehmhütten, umgeben von kleinen Äckern die meist per Hand bewirtschaftet werden. Es herrscht Subsistenzwirtschaft vor. Vereinzelt sahen wir größere Felder mit Bewässerungsanlagen und Traktoren.

Der Zug hielt in etlichen kleinen Dörfern und ist wohl ein Highlight im Alltag der ländlichen Bevölkerung. An jeder Haltestelle wurde der Zug von einem kleinen Menschenauflauf erwartet. Manche von ihnen warteten auf eine Lebensmittellieferung die der Zug mitbrachte, andere versuchten den Reisenden etwas zu verkaufen und der Rest schaute sich einfach Zug und Passagiere an. Insbesondere die wenigen weißen Gesichter (in unserem Zug ca. 10 Personen) lagen im Zentrum des allgemeinen Interesses. Vor allem Kinder gingen aktiv auf uns zu. Sofern sie nichts verkauften, baten sie um Geld, Essen, Schuhe, Uhren oder was sie sonst noch so an uns sahen. Man bekam auch immer wieder das Gefühl dass sie darin zum Teil schon sehr geübt sind. Wir beobachteten zum Beispiel einen Jungen, der mit seinen Freunden am Rand scherzte und lachte. Als er mitbekam dass wir ihn ansahen, setzte er sofort ein trauriges Gesicht auf und deutete uns mit einer Handbewegung an, dass er etwas zu essen braucht. Auch abseits der Haltestellen liefen die Kinder stets auf den vorbeifahrenden Zug zu, winkten und begrüßten ihn lautstark.

Fahrplangemäß hätte unser Zug die Grenze um 9.48 Uhr erreichen sollen. Aber Fahrpläne sind eher grobe Richtwerte oder vielleicht als Zielformulierung für die nächsten zehn Jahre zu verstehen. Alle vorher Befragten gaben in Bezug auf die Fahrtzeit die eher vage Angabe von einem Tag an. So war es dann auch. Nach 24 Stunden hatten wir die etwas mehr als 900 km lange Zugstrecke geschafft und Nakonde erreicht.

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Eine Anmerkung zu “900 km in 24 Stunden: per Zug durch Sambia

  1. Margit

    Hallo Markus und Conny
    Habe euren Bericht von der Bus und Bahnreise gelesen. Ich glaube das ihr auf halbwegs bequeme Weise viele schöne Eindrücke gesammelt habt.
    Ich wünsche euch viel Glück Gesundheit und Liebe im neuen Jahr.
    Liebe Grüße sendet euch
    Margit

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