Ruanda auf den zweiten Blick

Nach 16 Tagen im Land, einigen Gesprächen mit Einheimischen und etwas Recherche im weltweiten Netz hat sich ein differenzierteres und nicht mehr ganz so euphorisches Bild vom Land gebildet.

Ruanda bleibt ein sehr sauberer, sicherer Staat und niemand wohnt hier in Wellblechhütten. Ein Blick in die Statistiken zeigt jedoch eine andere Seite des Landes. In der Liste des BIP pro Kopf stehen nur 22 selbständige Staaten unter Ruanda, beim Human-Development-Index rangiert es auf Platz 151, beim Pressefreiheits-Index von Reportern ohne Grenzen auf Platz 162 und der Demokratie-Index bezeichnet die Regierungsform als autoritäres Regime. Auch die Rolle des ruandischen Militärs im politisch instabilen und an Mineralien reichen Nachbarn DR Kongo ist unklar. Die Berichte reichen von friedenserhaltender Mission bis zu Teilnahme am größtenteils illegalen Geschäft mit den Rohstoffen. Einzige positive Meldung unter den recherchierten Kennzahlen ist Rang 55 im Korruptionsindex und das ist für uns Touristen auch im Kleinen nachvollziehbar, da niemand des Polizeipersonals bei den üblichen Checkpoints Geld vom Busfahrer erhalten hat.*

Die Einheimischen stehen der Politik unterschiedlich gegenüber. Die eine Seite feiert den aktuellen Präsidenten, Paul Kagame, als Helden. Immerhin hat er Ruanda aus der Krise geführt indem er den Genozid von 1994 mithilfe seiner Truppen beendet hat. Die andere Seite betrachtet die Führung des Landes hinter vorgehaltener Hand etwas kritischer. Verhaftungen von regierungskritischen Bürgern und Oppositionspolitikern würden vor Wahlen gehäuft auftreten, einige Oppositionsführer leben im Exil und manche Parteien werden unter dem Vorwand einer drohenden Gefahr für den Staat einfach verboten. Kagame regiert seit 2000 und wurde 2003 und 2010 vom Volk ins Amt gewählt, d.h. seine Zeit als Präsident neigt sich langsam dem Ende. Man munkelt jedoch, dass er wie einige seiner Amtskollegen in afrikanischen Staaten bereits an einer Verfassungsänderung arbeitet, die dem Präsidenten erlaubt mehr als zwei Amtsperioden zu regieren.

Aus dem autoritären Führungsstil der regierenden Partei folgt auch die niedrige Pressefreiheit. Die zwei von uns gelesenen Ausgaben einer nationalen Tageszeitung und eine Online-Zeitung berichten einheitlich positiv über den Präsidenten. Zumindest in den drei Beispielen war kein einziger kritischer Satz über die Regierung zu finden. Journalisten und Redakteure haben hier vermutlich keinen einfachen Job.

Fazit: Ruanda hat sehr gute Rahmenbedingungen für einen stetig wachsenden Tourismus. Das Land der tausend Hügel ist wunderschön, durch die große Höhe nicht zu heiß und Sicherheit und Sauberkeit sind beispiellos am ganzen Kontinent. Bleibt zu hoffen, dass die in der Verfassung festgelegten demokratischen Regeln bald eingehalten werden und das Land nicht zu einer Diktatur verkommt.

 

*Bis dato haben wir hier noch keine Busfahrerin gesichtet. Seit Botswana nicht mehr.

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