Die ersten Tage in Gujarat

Laut Lonely Planet ist Gujarat eine wohlhabende Region mit versteckten Schätzen, die es für Touristen abseits der Trampelpfade zu entdecken gibt. Wir sind nun seit sechs Tagen in Gujarat unterwegs und haben innerhalb von 12 Stunden Busfahrten die Strecke Ahmedabad über Palitana nach Diu am Meer zurückgelegt. Die Schätze der Region sind wirklich gut versteckt und der Reichtum zeigt sich vor allem anhand der Tempelanlagen. Palitana wurde mir von einem elfjährigen Mädchen, das am besten Englisch sprach von allen Menschen die wir bisher trafen, als Hauptstadt der Jains vorgestellt. Die in Gujarat zahlreich vertretenen Jains sind Angehörige einer Glaubensrichtung, die sich zeitgleich zum Buddhismus entwickelt hat. Pazifismus und Askese sind ein wesentlicher Teil des Wertegebäudes der Jains. Sie sind im Vergleich zur Bevölkerung anderer Glaubensrichtungen der Region durchschnittlich höher gebildet, oft im Handel tätig und haben daher im Mittel ein höheres Einkommen, das sie aber aufgrund des im Jainismus gelebten Konsumverzichts eher sparen als ausgeben und einen relativ hohen Anteil an Tempel spenden. So lässt sich erklären warum sich der Reichtum Gujarats vor allem in den Tempel widerspiegelt.

In Palitana, ein Ort der ansonsten rein gar nichts zu bieten hat, ist einer der vier heiligen Berge der Jains mit einer beeindruckenden Tempelanlage, Shatrunjaya, angesiedelt. Nach Überwindung von 3.000 Stufen bietet sich nicht nur ein schöner Rundumblick sondern auch detailreich verzierte Tempel mit ca. 11.000 Idolfiguren, die von den Jains verehrt werden. Wir waren zufällig an einem wichtigen Feiertag vor Ort, weshalb sich die Jains der Umgebung zum Shatrunjaya aufmachten. Im Gespräch erklärte ein von Mumbai angereister Inder, dass es an diesem Tag darum ginge, alle 11.000 Idolfiguren rituell zu reinigen, was nur einmal alle 750 Jahre vorkäme, weshalb seinen Schätzungen zufolge um die 15.000 Personen den Aufstieg in Angriff nehmen.

Um uns von den Strapazen Palitanas, insbesondere den unhygienischen Bedingungen zu erholen, traten wir rasch die Reise nach Diu an, das jahrhundertelang bis ins Jahr 1961 von Portugal kontrolliert wurde. Diu ist der einzige Ort in ganz Gujarat wo Alkohol ausgeschenkt werden darf. Ansonsten herrscht in der Region ein striktes Alkoholverbot, lediglich Ausländer können sich an bestimmten Stellen eine Alkohollizenz holen, die sie zum Konsum von 20 Flaschen Bier pro Monat berechtigt – natürlich privat im Hotelzimmer, nicht an öffentlichen Plätzen.

Außer einem Vogelreservat, ein paar Stränden und einer Höhle gibt es in Diu nicht viel zu sehen. Für Gujarati ist es vor allem wegen des Alkoholgenusses attraktiv. Erholsam ist es hier aber allemal, da der Ort sauberer, die Unterkünfte gepflegter und das Essen sicherer auch für europäische Mägen ist.

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