Willkommensgruß in Delhi

Mit dem viertlängsten nationalen Schienennetz ist die Bahn potentiell das Verkehrsmittel der Wahl in Indien. Die Überbevölkerung und das für Touristen recht komplex erscheinende Reservierungssystem machen dieses Potential allerdings zunichte, daher reisten wir per Flugzeug von Ahmedabad nach Delhi. Mit der vor kurzem eröffneten Express-Metro zum Hauptbahnhof und dann zu Fuß in 15 min zu unserer Unterkunft – soweit zu unserem Plan. Es klappte auch alles recht gut, bis auf das letzte Stück zu Fuß. Die Brücken über die 16 Gleise der New Delhi Railway Station waren gesperrt. Ein freundlicher Passant wies uns jedoch den Weg durch den Bahnhof hindurch und geleitete uns zur Sicherheitskontrolle. Der Beamte dort erklärte uns dann aber, dass wir das Viertel in dem sich unser Wahlhotel befand, für die nächsten drei Tage nur mit Erlaubnisschein betreten durften, da gerade Bürgermeisterwahlen stattfanden währenddessen es in der Vergangenheit immer wieder zu Protesten und Unruhen gekommen ist und daher manche Bereiche der Stadt gesperrt sind.

Für Touristen sei das zwar lästig aber dennoch kein Problem. Wir sollen uns in das nächste Regierungsbüro des Tourismusministeriums fahren lassen und uns dort einen Erlaubnisschein ausstellen lassen. Der Fahrer war mit dem vom Sicherheitsbeamten ausgehandelten Preis überhaupt nicht einverstanden, da für Neuankömmlinge ohne fremde Hilfe wohl mindestens das doppelte oder dreifache verrechnet wird, aber er willigte dann doch ein und brachte uns zum Tourismusbüro. Der etwas arrogant wirkende Mitarbeiter übernahm mangels Empfang unserer Mobiltelefone freundlicherweise die Kommunikation mit der von uns angepeilten Unterkunft, die allerdings aufgrund der Sperre des Viertels für die nächsten Tage niemanden aufnehmen konnte. Er könne uns aber eine Unterkunft in einem nicht von der Sperre betroffenen Bezirk organisieren, allerdings etwas teurer, weil ja heute viele Hotels geschlossen seien. F***. Alle fünf Jahre wird das Stadtoberhaupt gewählt und wir kommen genau in dieser Zeit an!

Wir versuchten noch kurz auf der Straße einen Tuk-Tuk-Fahrer zu organisieren, der uns in ein günstigeres Hotel in einem anderen Viertel bringen sollte. Leider waren auch dort Proteste im Gange. Nachdem es mittlerweile bereits neun Uhr abends war, wir alle hungrig und müde nach Abendessen, einer Dusche und einem Bett lechzten, gingen wir auf das Angebot des Tourismusbüros ein. Knapp 45 Euro für ein Doppelzimmer das nicht einmal ein Drittel wert ist, aber in Ausnahmesituationen wie die gerade stattfindenden Wahlen zumindest ein Dach über dem Kopf bot.

Am nächsten Morgen bemühten wir das inkludierte WiFi um herauszufinden in welche Bezirke wir wechseln konnten, da wir nicht gewillt waren weiterhin in diesem überteuertem Hotel zu bleiben. Was wir fanden? Unsere Geschichte in verschiedensten Abwandlungen. Wir waren offensichtlich einem Betrügerring in die Fänge gelaufen. Keine Wahlen, keine Proteste, kein Erlaubnisschein. Nur ein gut organisierter Ring, der TouristInnen abzockt. Vorzugsweise jene, die müde und geschlaucht am Abend in Delhi ankommen. 30 Euro zu viel bezahlt ist zwar bitter, aber immerhin fanden wir zeitgerecht heraus wo wir gelandet waren. Vor dem Hotel warteten schon Taxifahrer die uns „gratis“ irgendwohin fahren wollten. Nachdem wir die Rezeption davon informiert hatten, dass wir von dem Betrug wussten, haben sie uns ziehen lassen ohne die offene Mineralwasserrechnung von 1,50 Euro zu begleichen. Yeah, in your face! Ein (kleiner) Sieg für uns nach der Abzocke.

Immerhin sind wir nun gut gerüstet für Agra und den Taj Mahal (so hoffe ich zumindest ;)) und haben verhältnismäßig wenig Lehrgeld dafür bezahlt. Mühsam ist allerdings schon, dass man den Menschen hier mit ständigem Misstrauen begegnen sollte. Eine Person gibt sich freundlich und hilfsbereit? Besser umdrehen und weggehen – das ist am sichersten.

IndianGate

India Gate

 

Lotus Temple

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3 Anmerkungen zu “Willkommensgruß in Delhi

  1. Babsi

    lol, ja die schlepper in delhi sind berühmt. nie mit irgendwem mitgehen, auch wenn er uniform trägt. und kfz kennzeichen von taxis immer auffällig fotografieren – dann werden sie ganz kleinlaut und nervös 🙂

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    • Conny

      Ja, wir sind zwar generell vorsichtig aber für Delhi waren wir scheinbar noch etwas zu blauäugig ;)… neu war dass wir dieselbe Geschichte von vier verschiedenen, scheinbar voneinander unabhängigen Personen gehört haben… Lustig war es die darauffolgenden Tage; rund um den Bahnhof wollten sie uns immer zu einem Büro im Zentrum lotsen. Wenn sie dann von uns hörten dass das alles Betrüger sind, machten sie schnell auf dem Absatz kehrt und weg waren sie… 😉 Der Polizei melden war uns zu mühsam – auch wenn ich die ganze Bagasch am liebsten eigenhändig für Jahre in d’n Häf’n gesteckt hätte 😉 – und es macht wahrscheinlich auch nicht viel Sinn. Ich kann mir nicht vorstellen dass sie das Spielchen schon jahrelang spielen und es stecken keine Offiziellen mit drin. Ich hab das Gefühl, die sind echt gut organisiert und breit aufgestellt. Nur gut dass wir uns nicht noch mehr Blödsinn haben einreden lassen und noch relativ gut weggekommen sind. Am liebsten hätten sie uns ja in ein Taxi nach Jaipur gesteckt weil Delhi grad so unzumutbar ist und uns eine fünftägige Tour nach Agra um 500 Euro verkauft. 😉

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