Good bye India!

Nach gut zwei Monaten in Indien ist es nun an der Zeit zu neuen Ufern aufzubrechen. Nicht, dass es hier nichts mehr zu entdecken gäbe; die Größe und Vielfalt dieses Landes erlaubt bestenfalls einen ersten Eindruck der besuchten Bundesstaaten zu gewinnen, aber die Visums-Beschränkungen zwingen uns zur Ausreise. Vielleicht ist es gerade diese Diversität, die mich mit unterschiedlichen Gefühlen auf den Indienbesuch zurückschauen lässt.

Positiv in Erinnerung bleibt jedenfalls die indische Küche – für mich die bisher beste der Welt. Die kräftigen Saucen ließen mich vom absoluten Fleischliebhaber zum temporären Vegetarier werden. In zehn Wochen nur dreimal Fleisch zu essen liegt schon mehr als drei Jahrzehnte zurück. Sicherlich half dabei auch zu sehen wie in Indien das Tier zum Fleisch wird, wenn ich an den Fleischhauer in Kalkutta denke, der halb-überdacht im Regen am Straßenrand auf einem hölzernen Hackstock mit seinem Beil das Hühnerfleisch faschierte, aber hauptsächlich ließ mich der außergewöhnliche Geschmack der einzelnen Speisen meinen Fleischhunger vergessen.

Gemischt zu bewerten ist die Landschaft, die in den ersten Wochen überhaupt nicht überzeugte. Maharashtra, Gujarat und die Gebiete zwischen Delhi, Jaipur, Agra, Varanasi bis nach Kolkata sind geprägt von riesigen, für die hohe Bevölkerungsdichte notwendigen Agrarflächen. Erst in Darjeeling ließen wir das Flachland hinter uns und es zeigte sich ein völlig anderes Bild. Die grünen Teehügel am Fuße des Himalaya beendeten die ästhetische Durststrecke und erinnerten uns daran, dass wir uns doch lieber vor bzw. in einem Gebirge aufhalten.

Völlig anders liegt es beim durchschnittlichen Verhalten der männlichen Bevölkerung. Der Tenor ist hier eindeutig. Sicherlich gibt es in den meisten Ländern ganz spezifische Regeln und Verhaltensweisen, aber die Inder sprengten den mir bisher bekannten Verhaltenskodex. Warum ich mich nur an den männlichen Teil halte liegt daran, dass man unterwegs fast ausschließlich Männer antrifft. Schon bei der Ankunft in Mumbai fielen uns die vielen Inder auf, die blutroten Speichel ausspuckten. Es stellte sich zwar relativ schnell heraus, dass kein Blut gespuckt wird, sondern das Betelnuss-Kauen dem Speichel die rote Farbe verleiht, aber widerlich ist es trotzdem. Gespuckt wird allerdings auch ohne Betelnüsse. In einer Stadt vergeht ohne Übertreibung nicht einmal eine einzige Minute ohne dass nicht mindestens einmal jemand lautstark Schleim aus Nase oder Luftröhre holt und auf die Straße spuckt. Wo ich grad beim Thema bin; ekelhaft ist auch die Entsorgung anderer Körperflüssigkeiten. Zwar spielen sicher die wenigen öffentlichen Toiletten eine Rolle, aber der Hauptgrund dürfte das Fehlen eines Hygiene-Verständnisses sein. Uriniert wird, wo es einem einfällt. Den Vogel abgeschossen haben für mich die Männer die sich an Bahnhöfen zwischen all den wartenden Menschen vom Bahnsteig auf die Bahngleise erleichterten.
Nicht ekelerregend aber durchaus unangenehm ist auch die Ellbogentaktik die man braucht, wenn man sich irgendwo anstellen muss. Egal ob am Bahnhof, in der Postfiliale, beim Ticketschalter; überall wo in Europa mehr oder weniger geordnete Schlangen stehen, sieht man in Indien Menschentrauben. Geduld und Disziplin sucht man meist vergeblich, Egoismus, Ignoranz und Arroganz sind dagegen allgegenwärtig.

Als weiteren unangenehmen Aspekt in Indien möchte ich noch den Straßenverkehr und hier vor allem das ständige Hupen erwähnen. Ich bin es schon gewohnt, dass in den meisten Staaten mehr gehupt wird als in Mitteleuropa, aber Indien spielt auch hier in einer eigenen Liga. Es gibt so gut wie keine Situation auf den indischen Straßen, in denen es für Einheimische nicht angebracht ist zu hupen. Gehupt werden soll offensichtlich beim Überholen, bei Gegenverkehr, zum Grüßen, bei Fußgängern, beim Auflaufen auf andere Fahrzeuge, im Stau, vor Kurven sowieso oder einfach nur weil’s Spaß macht. Vor manchen Kurven stehen sogar Hupgebots-Schilder und am Heck vieler LKW ist „Bitte hupen“ zu lesen. Man braucht schon gute Nerven als Fußgänger.

Einerseits freue ich mich das Kapitel Indien fürs Erste zu beenden, andererseits würde ich aber gerne noch ein paar Wochen hierbleiben, um die Bundesstaaten im Nordosten rund um Assam zu besuchen. Die „Seven Sisters“ sind touristisch noch wenig erschlossen und bieten eine außergewöhnliche kulturelle Vielfalt auf relativ engem Raum. Außerdem steht Ladakh wegen der für diese Region ungüstigen Jahreszeit während dieses Indien-Aufenthalts immer noch auf der Wunschliste der Reiseziele. Wer weiß, vielleicht entschließen wir uns irgendwann wiederzukommen.

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