Busy Hong Kong

„Hilfe! Soziale Medien fressen mein Gehirn auf!“ Dieses Angstgefühl eines/-r Graffitikünstlers/-in kann ich nach ein paar Tagen Hong Kong gut nachvollziehen. Ich hegte schon ein paar Mal heimlich die Befürchtung dass so mancher Mensch hier langsam des Verstandes beraubt wird, wenn ich den Leuten insbesondere den Jugendlichen im öffentlichen Raum so zusah. Zumindest der Eindruck dass ein größerer Teil des Alltags von Social Media Nutzung beherrscht wird als in Europa, hat sich bei mir verhärtet. Auf die Schnelle habe ich leider keine verlässlichen Zahlen gefunden die das belegen, nur so viel: in Hong Kong nutzen 61% der Bevölkerung soziale Medien, 93% davon nutzen (auch) Facebook. In Österreich nutzen rund 40% Facebook. UserInnen in Hong Kong verbringen 2 Stunden täglich in sozialen Medien. (Die Quellen dazu gibts hier und hier.) Vielleicht ist die Nutzungsdauer in Österreich und Deutschland ja mittlerweile ähnlich (eine kurze Recherche lieferte leider keine aktuellen Zahlen, wenn jemand dazu gute Links parat hat, bitte unten posten),  ein Gefühl auf Basis meiner Beobachtungen lässt mich jedoch vermuten dass wir derzeit noch etwas weniger Zeit in sozialen Medien verbringen. Wie bei uns auch, sind Jugendliche, ob alleine oder in Gruppen unterwegs, ständig mit dem Handy beschäftigt und über diverse Messaging-Dienste mit anderen verbunden. Mein Eindruck ist aber, dass hier schon viel mehr Tonaufzeichnungen versendet werden statt Textnachrichten. Um mich herum wurden sehr häufig ein paar Sätze aufgezeichnet und verschickt – sogar in der Warteschlange für die Toilette kurz vor dem Ziel. Getippt wurden immer nur eine Handvoll Worte, der Rest wurde gesprochen.

Noch auffälliger ist die weitreichende Selfie-Kultur. Menschen aller Altersgruppen machen an allen möglichen und unmöglichen Orten Selbstporträts mit dem Selfie-Stick. Nicht nur vor Sehenswürdigkeiten sondern auch in der U-Bahn, in Einkaufszentren, auf der Straße ohne besonderen Hintergrund, im Fast Food Lokal, auf der Rolltreppe… Und wozu Selfies wenn sie nicht über Social Media geteilt werden?

In besagter Warteschlange vor der Toilette konnte ich auch einen Blick auf die letzten (100? 200?) Fotos einer Jugendlichen erhaschen. Was bekam ich zu sehen? Selfies, Selfies und noch mehr Selfies – und dazwischen eine Katze. Es sah so aus als seien zumindest die letzten 30 Selfies mit ihren zwei Freundinnen am selben Tag gemacht worden: die selben Gesichter, mit gleicher Kleidung, vor wechselndem aber zum Großteil verdeckten Hintergrund. In Verbindung damit steht für mich das unangenehme Gefühl, dass Aussehen und Selbstdarstellung wichtiger sind bzw. werden als das Erleben. I don’t like. Gerade in Bezug darauf kann ich den Graffiti-Hilferuf bestens verstehen. Hinzu kommt noch das Gefühl stets online sein zu müssen, um erreichbar zu sein und um nichts zu verpassen.

Was wir sonst noch so in Hong Kong gemacht haben, außer das Social Media Verhalten zu beobachten? Einiges…

Das eingangs zitierte Graffiti war zum Beispiel Teil der „Wall of Fame“ im Stadtteil Mongkok, die angeblich laufend neu gestaltet wird – unter anderem auch von internationalen KünstlerInnen.

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Die Skyline Hong Kongs ist immer wieder eindrucksvoll.

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Außer zahlreichen Wolkenkratzern bietet Hong Kong aber auch viel Grünflache in Form von Parks oder Naherholungsgebieten auf den acht Hügeln.

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Ein Trip nach Macau durfte natürlich nicht fehlen, wo wir beide an einem kleinen Pokerturnier teilgenommen haben. Wir haben zwar nichts gewonnen aber es machte dennoch großen Spaß und zeigte mir, dass man sich nicht vor Macaus Glamour fürchten muss. Wenn wir wieder in Wien sind gilt es mehr Erfahrung zu sammeln um bald wieder dort spielen zu können. Ran an die Tische! 😉

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Außerdem fanden wir uns immer wieder mal in einem der zahlreichen Shopping-Center zwecks Abkühlung wieder, schlängelten uns mehr versehentlich durch das Markttreiben, besuchten die Avenue of Stars mit Sternen chinesischer SchauspielerInnen von denen wir die meisten nicht kannten, fuhren mit der zweistöckigen Ding Ding und leisteten uns Dim Sum mit Trüffel im mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant Din Tai Fung.

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Unsere Nächte verbrachten wir übrigens im bisher kleinsten Hotelzimmer im Micro Hotel auf 6 m² Zimmerfläche, inklusive Toilette und Dusche. Alles da was man braucht, das Zimmer war sauber und in einer sehr zentralen Lage Nahe der MTR-Station Jordan, es darf eben immer nur eineR stehen und der/die andere muss im Bett sitzen. Nach fast einer Woche freue ich mich nun aber doch, wenn wir uns wieder auf circa 13 m² „ausbreiten“ können. 😉

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