Von Wolkenseen und Drachenbooten

Wandern in den gelben Bergen

Das Elixier der Unsterblichkeit soll einer Legende nach im 6. Jahrhundert am Berg Huangshan in China entdeckt worden sein. Spätere Dynastien dürften dies wohl wieder verloren haben, denn der Mensch ist in vielerlei Hinsicht immer noch mit der Suche nach der Unsterblichkeit beschäftigt. Wie dem auch sei, wir konnten uns diese Chance nicht entgehen lassen. Wir mussten uns die gelben Berge selbst ansehen und vielleicht würden wir diesen Zaubertrank ja zufällig wiederfinden.

Die zerklüftete Berglandschaft, die zahlreiche chinesische Künstler inspiriert hat, wird gerne beschrieben als „Gipfel, die aus Wolkenseen empor ragen“. Auch die Bezeichnung „Nebelberge“ wird immer wieder mal verwendet. Bei 50% Regentagen im Jahr mit Höhepunkt im Juni waren unsere Chancen auf ein sonniges Gipfelerlebnis somit nicht allzu hoch. Der zwischen den Bergen umherziehende Nebel hat aber jedenfalls seinen Reiz. Perfekt wenn der Nebel tief hängt, so dass man von oben auf den Wolkensee hinunterblicken kann. Wir hatten leider nicht das Glück, genossen diese Bergwelt aber dennoch in vollen Zügen – bis hin zum Muskelkater, der Stufen für drei Tage zur Tortur macht.

Huangshan ist touristisch sehr gut besucht. Ein großer Teil der Besucher/-innen mutet sich die Fahrt mit der Seilbahn von Yungu aus zu, um dann oben die letzten Höhenmeter zu Fuß zu erklimmen. Es gibt aber auch zahlreiche chinesische Touristen/-innen die den Berg von Anfang bis Ende per pedes bezwingen. Die meisten steigen von der Talstation Yungu auf. Daher kommt es auf dieser Strecke auch oft zu Stau. Wir haben außerdem am zweiten Tag die Route über Yuping versucht, die um einiges ruhiger ist und landschaftlich mindestens ebenso schöne Aussichtspunkte bietet.

Mit 230 Yuan (~ 35 EUR) pro Person für das Betreten des UNESCO Weltkulturerbes, ist das Wandern dort nicht billig, aber immerhin gilt das Ticket auch für den zweiten Tag. Die Wanderwege sind sehr gut ausgebaut. Der Aufstieg erfolgt über mehrere tausend Stufen. Es ist so gut wie unmöglich dort vom Weg abzukommen.
Unsere Suche nach dem Elixier, das sich leider nicht direkt neben den Wegen versteckte, verlief übrigens ergebnislos.

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Gastfreundschaft am Drachenboot-Festival

Qu Yuan, ein Dichter und Minister des Herrscherhauses rund 300 v. Ch., ertränkte sich der Legende nach vor Gram über die Eroberung der Hauptstadt durch den rivalisierenden Nachbarstaat im Fluss in Miluo. Viele Menschen sollen an diesem Tag mit ihren Booten nach ihm gesucht haben. Aus diesem Grund wird vielerorts am fünften Tag des fünften Monats des Mondkalenders das Duanwu, das Drachenboot Festival, gefeiert. Wir hatten Gelegenheit dieses am Ort der damaligen Tragödie mitzufeiern.

Per Bus gelangten wir von unserer Unterkunft in Yueyang nach Miluo – beziehungsweise auf die Hauptstraße bei Miluo von wo aus wir mit dem Taxi zum Festival fahren wollten. Nach fünf Minuten hatten wir zwar noch kein Taxi gesichtet, aber ein nettes chinesisches Paar hielt an und nahm uns mit. Nachdem die Busfahrt anstatt der vom Hotel angekündigten 40 Minuten zwei Stunden dauerte, hatten wir die Eröffnung des Events gerade verpasst. Die letzten Rennen fanden noch statt, aber die Besucher/-innen fingen bereits wieder an das Gelände zu verlassen.

Nachdem die letzten Drachenboote das Ziel erreicht hatten, sahen wir uns weiter um. Vor der Tribüne im Zentrum des Eventgeländes wurde gerade begonnen eine große Bühne aufzubauen. Wir fanden einen jungen Studenten, der ein paar Worte Englisch sprach und uns erklärte dass es um 14.30 Uhr dort weitergehen sollte. Was genau dort passieren soll hat er leider nicht mehr heraus bekommen. Aber eine große Bühne verspricht Action, also kauften wir um 120 Yuan pro Person ein Ticket und gingen erst mal auf die Suche nach etwas zu essen.

Beim Wassermelonenstand kramten wir gerade nach Kleingeld, als uns ein Fremder ohne weitere Worte einfach so auf eine Portion einlud. In der heißen Mittagszeit versuchten wir uns im Park vor der Sonne zu verstecken. Zwei Damen baten uns um Fotos. Das kannten wir ja schon von Indien und auch am Festival waren wir schon mehrmals gefragt worden, für ein Foto mit zu posieren. Zum Dank schenkten uns die Frauen zwei Gläser einer Fruchtbowle. Am Rückweg zur Bühne kam dann so richtig Stargast-Feeling auf, als Markus vom einem TV-Sender um ein Interview gebeten wurde.

Als wir wieder am Festivalgelände ankamen, waren dort erstaunlich wenige Leute. Der Bühnenaufbau war kurz vor halb drei immer noch in vollem Gange und es erhärtete sich der Verdacht, dass diese erst später zum Einsatz kommen sollte. Am Gelände passierte erst mal nichts. Als es schließlich noch zu regnen begann, flüchteten auch die letzten Besucher/-innen ins Trockene. Wir warteten unter der Tribüne auf den nächsten großen Show-Act. Am späten Nachmittag, als der Regen vorbei war, gab es dann endlich doch noch eine Moderation. Natürlich auf chinesisch und für uns unverständlich. Daraufhin fanden sich ein paar Menschen ein, die beim Seilziehen und verschiedenen anderen Spielen Einsatz zeigten.

120 Yuan für’s Zusehen bei einem kleinen Spielefest? Langsam machte sich Ungeduld breit. Wir mussten herausfinden um was es bei diesem Festival noch gehen soll. Schließlich mussten wir am selben Tag noch nach Yueyang zurück und hatten daher nicht den ganzen Abend Zeit abzuwarten. Circa eine Stunde später erfuhren wir, dass der nächste Programmpunkt, eine Party, um 20 Uhr beginnen wird. Wir hatten beim Organisationsteam am Eingang ein18jähriges Mädchen gefunden, das uns mit ihren paar Brocken Englisch durch den restlichen Abend führte. Wir fragten sie nach einem Restaurant in der Nähe und erklärten ihr, dass wir außerdem heute noch nach Yueyang zurück müssten. Nachdem wir Anstalten machten das Gelände zu verlassen und sie mit ihren Kollegen/-innen unsere Lage diskutiert hatte, sprach sich scheinbar das gesamte Organisationsteam dagegen aus, dass wir das Festival schon verließen. Als erstes beschafften sie uns etwas zu Essen. Es gab Reis mit Gemüse, Ei und etwas Fleisch. Gratis.

Das erstaunlichste aber war die Zusage, dass sie uns mit einem ihrer Fahrzeuge kostenlos nach Yueyang zurück bringen – und dass dies auch genau so funktionierte. Die Party am Abend war wieder sehr gut besucht. Sie bestand aus Live-Konzerten verschiedener Künstler/-innen. Wir sahen uns ein paar an und gaben unserer Dolmetscherin dann Bescheid dass wir gerne aufbrechen möchten. Ich konnte es zu dem Zeitpunkt ja immer noch nicht glauben dass dies reibungslos funktionieren und uns nichts kosten wird. Aber sie brachte uns zu einem Auto, bezahlte dem Fahrer 200 Yuan und sagte zu uns gewandt: „Wir haben den Fahrer bezahlt, ihr gebt ihm kein Geld mehr. Er bringt euch nach Yueyang“. Bis zum Ende der Fahrt habe ich auf den Haken gewartet. Doch da war keiner.

Das Festival an sich fand ich sehr chaotisch und seltsam zusammen gewürfelt. Das Highlight, das Drachenboot-Rennen, fand früh am Morgen statt. Ein sehr schlecht besuchtes Möchtegern-Spielefest am Nachmittag konnte die Besucher/-innen nicht halten, aber zum Konzert am Abend war das Gelände wieder voll. Unerwartet, überraschend und anfangs kaum zu glauben war die außerordentliche Gastfreundschaft die uns auf dem Festival von überall entgegen schlug.

Eine Frage bleibt für mich aber bestehen: wer genau ist dieses „wir“ das uns so großzügig die einstündige Autofahrt zurück bezahlt hat? Wurden wir vielleicht auf Kosten der kommunistischen Partei Chinas herum chauffiert? 😉

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