Big, bigger, China: Ein anderer Maßstab

China wird oft als Land der Superlativen bezeichnet. Vielleicht hat es mittlerweile die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten abgelöst. Das gilt zwar nicht unbedingt für die einzelne Bürgerin, die oft noch in ärmlichen Verhältnissen lebt, aber für Wirtschaftstreibende ergeben sich hier durch das scheinbar unbegrenzte Wachstum gute Möglichkeiten den monetären Olymp zu erklimmen.

Eines von vielen umgesetzten Megaprojekten wollte ich mir nicht entgehen lassen und zwar den sowohl national als auch international sehr umstrittenen Dreischluchten-Staudamm. Als größter seiner Art, d.h. mit der weltweit höchsten installierten Nettoleistung (je nach Quelle zwischen 18 MW und 22 MW), hat er eine Vielzahl von Effekten auf die gesamte Region. Seien es die offiziell 1,13 Mio Menschen die während des Baus umgesiedelt wurden, um Platz für den heute ca. 600 km langen Stausee zu schaffen oder die Veränderung des Sedimenttransports mit bisher kaum erforschten Auswirkungen auf das Delta. Nach einem Artikel des Scientific American vom März 2008 treten außerdem seit der Fertigstellung des Damms vermehrt Erdrutsche und Erdbeben auf, die direkt dem zur Flutkontrolle notwendigem periodischen Befüllen und Entleeren des bis zu 185 m tiefen Sees zugeschrieben werden. Hinzu kommt, dass der Damm in einem vergleichsweise dicht besiedelten Gebiet umgesetzt wurde, wenn man sich ähnliche Projekte wie den Hoover Dam in der Wüste Arizonas oder den Itaipu zwischen Brasilien und Paraguay ansieht. Für die Umsetzung des fast 100 Jahre alten Traums von diesem prestigeträchtigen Damm wurden jedoch alle Bedenken und Warnungen der Wissenschaftler ignoriert.

Als nächstes Ziel auf unserem straffen Zeitplan unserer China-Reise steuerten wir die ehemals wichtige Handelsmetropole Xi’an an, die den Beginn der historischen Seidenstraße markierte. Auch heute kann man den damaligen Status der Stadt noch erahnen. Die Innenstadt ist von einer mächtigen etwa 12 m hohen und ebenso breiten Stadtmauer umringt. Die Mauer ist die am besten erhaltene Stadtmauer Chinas und eine der größten Stadtmauern der Welt. Die etwa 13 km rund um die Altstadt kann man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch gemütlich mit einem Elektro-Shuttle zurücklegen und dabei den Blick über die traditionellen Dächer auf der einen Seite sowie auf die modernen Wolkenkratzer auf der anderen Seite schweifen lassen.

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Nicht weit vom Stadtzentrum entfernt, nach etwa 40-minütiger Fahrt mit Bus Nr. 306 (auch Tourist Bus Nr. 5) erreicht man die nächste Superlative: Das Mausoleum des ersten Qin Herrschers. Der 210 B.C. verstorbene Kaiser hat China erstmals vereinigt und im ganzen Land Schrift, Währung, Maße und Gewichte vereinheitlicht. Als Zeichen seiner Macht hat er veranlasst, dass ihm nach seinem Tod ein angemessenes Grabmahl gebaut wird, das bis ins 20. Jahrhundert verschollen blieb. Als 1974 Dorfbewohner beim Graben eines Brunnens ein paar Tonscherben fanden, konnte noch niemand ahnen was die Archäologen in den folgenden Monaten und Jahren bis heute freilegten. Zum Vorscheinen kamen tausende Soldaten in Kampfformation, die den toten Herrscher bewachen. In der Mitte die Infantristen und die Kavalry, an den Flanken mehr als tausend weniger gut erhaltene Bogenschützen. Das Bemerkenswerte daran ist, dass sich alle Figuren voneinander unterscheiden. Es wird vermutet, dass die Terracotta-Armee die tatsächliche Anzahl der kaiserlichen Wachen repräsentiert. Die UNESCO bezeichnet das Mausoleum mit der Armee in der Begründung des Weltkulturerbe-Status als eine der bedeutendsten archäologischen Stätten der Welt.

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