Nach 28 Tagen China

Die beiden letzten Stationen in China waren für uns Datong und Beijing. Ersteres wegen eines hängenden Klosters, das vor etwa 1500 Jahren erbaut wurde und seither nur aufgrund von zahlreichen Renovierungen der Schwerkraft trotzt. Beim Durchspazieren ist Schwindelfreiheit gefragt, sodass manche Besucher und Besucherinnen den Rundgang wegen zu weicher Knie abbrechen müssen.

Zweiteres weil es einen der Endbanhhöfe der Trans-Sibirischen-Eisenbahn stellt, mit der wir nach Ulan Batar reisen werden. Außerdem ist es die alte und neue Haupstadt des Landes und bietet Sehenswürdigkeiten wie die verbotenen Stadt und die nahe vorbeilaufende Große Mauer.

Insgesamt waren es ca 5500 km in 4 Wochen. Was in Indien an die Nerven gehen würde, ist in China ohne Probleme möglich. Die Züge sind pünktlich und im Falle der High-Speed-Garnituren auch sehr modern, mit Zugpersonal und Service, das eher an ein Flugzeug erinnert. Die meisten großen Städte sind mittlerweile durch Hochgeschwindigkeitszüge verbunden, für die gut 1300 km lange Strecke zwischen Shanghai und Beijing benötigt man derzeit nur mehr etwa 4h 50min. Durch den geplanten Ausbau wird das derzeit bestehende Netz in den nächsten Jahren mehr als verdoppelt.

Ob die Investitionen in den Schienenverkehr zur Lösung des Problems der Luftverunreinigung in und rund um Chinas Städte beiträgt sei dahingestellt. In 4 Wochen zeigte sich der blaue Himmel nur drei Mal, das erste Mal nach 19 Tagen obwohl außer in der Region rund um den Mt. Huangshan immer Schönwetter herrschte. Während einer Busfahrt zum Dragon Boat Festival unterhielt ich mich mit einer 36-jährigen Chinesin aus Miluo. Auf die Farbe des Himmels angesprochen erzählte sie, dass sie als Kind gerne den Sternenhimmel betrachtet hatte. Durch den wachsenden Verkehr in den letzten Jahrzehnten sei das heutzutage leider nur mehr sehr selten möglich. Nicht nur der Verkehr ist für den Smog verantwortlich, sondern allgemein der wachsende Wohlstand. Immer mehr Menschen können sich Waschmaschinen, Kühlschränke, Klimaanlagen und all die anderen elektrischen Geräte des Alltags leisten. Auch die durchschnittliche Wohnfläche pro Bürger/-in steigt rasant. In jeder größeren Stadt werden hunderte 25-30 Stockwerke hohe Wohnhäuser gebaut. All das führt zu einem steigenden Bedarf an Elektrizität und auch wenn verstärkt erneuerbare Energiequellen genutzt werden, wird Chinas Strom zum Großteil durch Verbrennen von Kohle erzeugt. China verfügt über eine der größten Kohlevorkommen der Welt und daher wird der Brennstoff nicht nur in Kraftwerken, sondern auch in Fabriken und Eigenheimen zur Deckung des Energiebedarfs verwendet. Vielen Europäern/-innen stößt das sauer auf, noch mehr seit China vor ein paar Jahren die bis dahin unantastbaren USA in der Rangliste der größten CO2-Emittenten überholt hat. Betrachtet man jedoch den CO2-Ausstoß pro Kopf liegt China weit hinter EU-Mitgliedern wie Deutschland oder Großbritannien und sogar hinter Österreich.

Ich will die Energiepolitik Chinas keinesfalls verteidigen, Kohle ist für mich eine der letzten Optionen zur Energieumwandlung, ich mahne jedoch zur Vorsicht, vorschnell und unreflektiert vom hohen Ross hinunterzublicken.

Kulinarisch ist China nach Thailand für meinen Geschmack ein weiterer Abstieg. Die Speisen schmecken oft nach wenig und sind sehr fleischlastig. Fleisch spielt hier überhaupt eine besondere Rolle. Gegessen wird am Beispiel des Huhns nicht wie in Mitteleuropa nur die Brust und eventuell noch Schenkel und Flügel, sondern wirklich alles. So kann es ohne weiteres vorkommen, dass in der Speise „Huhn mit Paprika“ auch Innereien und Füße enthalten sind und im Supermarkt liegen ganze Hühner, vom Schnabel bis zu den Krallen, auf Eis. Ungewöhnlich sind auch die Snacks, die in Bussen und Zügen verspeist werden. Während ich Chips oder Kekse für die Überbrückung des Hungers mitnehme, essen die Chinesen vakuumverpacktes Rind-, Schweine- oder Hühnerfleisch. Meistens handelt es sich um mundgerechte marinierte Stückchen, manchmal werden aber auch gerne kalte Hühnerkeulen oder ein paar Schweinefüße schmatzend verspeist.

Nach vier Wochen kam nicht mehr als ein erster Eindruck zutage. Die Menschen sind hilfsbereiter als zuletzt in Indien, man wird innerhalb kürzester Zeit angesprochen, wenn man rätselnd vor kryptischen Schildern steht, und man hat weniger oft das Gefühl, dass man übers Ohr gehauen wird. Die Regierungsform ist nach wie vor kritisch zu beurteilen und die Geschichte zeigt uns auch, dass ein Ein-Parteien-System auf Dauer nicht funktioniert hat. Auch die Themen Korruption, Pressefreiheit und allgemein der Umgang mit den Menschenrechten der UNO sind in meinem Weltverständnis bedenklich. Der erste Eindruck vor Ort hat aber Licht in dieses dunkle und schemenhafte Gefühl des „bösen Chinas“ gebracht. Die Vielfalt des ehemaligen Kaiserreichs wurde in den Vordergrund gerückt.

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Eine Anmerkung zu “Nach 28 Tagen China

  1. Margit

    Hallo Markus und Conny
    Markus ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag.
    Ich hoffe euch geht es gut. Habe schon lange nichts mehr gehört von euch. Habt wahrscheinlich kein Internet bei eurem Ritt durch die Mongolei.
    Wünsche euch noch alles gute für die Weiterreise.
    Alles Liebe eure
    Margit

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