Mit der Transsib zum Naadam in Ulaanbaatar

Wie viele andere wahrscheinlich auch, habe ich mir eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn immer wunderschön romantisch, leicht unbequem aber für eine Zugreise doch relativ luxuriös vorgestellt. Die Realität hat dieses Bild nun etwas zurecht gerückt. Wir reisten für 255 USD pro Person in einem 4er-Schlafabteil von Peking nach Ulaanbaatar. In China bezahlten wir für eine vergleichbare Strecke rund ein Fünftel des Preises. Zwar in einem offenen 6er-Abteil, in Bezug auf Polster und Decken aber besser ausgestattet und auch mit besserem Service. Lediglich der Speisewagen des Transsib-Zuges war wirklich schön anzusehen. Spannend war das Tauschen der Chassis um Mitternacht an der Grenze zur Mongolei, da die Spurweite der Gleise dort breiter ist als in China. Doch allein dafür diesen hohen Preis zu bezahlen zahlt sich nicht aus. Sollte ich wieder einmal in dieser Gegend unterwegs sein, werde ich jedenfalls die nationalen Züge bevorzugen.

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In Ulaanbaatar kamen wir rechtzeitig zum Naadam Festival an. Das Nationalfest der Mongolei findet jährlich zwischen 10. und 13. Juli statt. Ursprünglich war es ein Treffen der regionalen Klans. Im Zuge der Unabhängigkeitserklärung 1924 wurde der 11. Juli zum Nationalfeiertag ausgerufen. Rund um diesen Tag wird landesweit das Naadam-Fest gefeiert, das im Wesentlichen eine Sportveranstaltung ist. Es werden Wettkämpfe in den drei wichtigsten mongolischen Sportarten Bogenschießen, Ringkampf und Pferderennen ausgetragen. Auf dem Land ist der Besuch dieser Veranstaltungen kostenfrei. In Ulaanbaatar sind die Eröffnungszeremonie sowie einige Wettkämpfe im Bogenschießen und Ringen kostenpflichtig und werden im Stadion der Stadt ausgetragen.

Wir haben ein paar Tage zuvor versucht online ein Programm zu finden, fanden aber lediglich Informationen zur Eröffnungszeremonie, dem teuersten Programmpunkt des Festivals. In Ulaanbaatar sind Programmfolder bei verschiedenen Agenturen erhältlich. Dort erfuhren wir dann auch, dass die Eröffnung bereits seit längerem ausverkauft ist und Tickets nur mehr am Schwarzmarkt zum zwei- bis dreifachen des ursprünglichen Preises erhältlich sind. Da uns auch unsere Unterkunft derartig überteuerte Tickets anbot nehme ich an, dass Agenturen, Hotels und Hostels diese vorab alle aufkaufen und gewillten Touristen/-innen zu Schwarzmarktpreisen weiter verkaufen. Wir waren unwillig dabei mitzumachen, ließen die Eröffnung ergo aus und wandten uns den kostenfreien Programmpunkten zu. Am Hauptplatz der Stadt, dem Sükhbaatar Platz, fanden Militär-Paraden und eine große Trachtenschau statt. Zahlreiche Mongolen/-innen trugen dort in einem bunten Spektakel die Tracht ihres Klans auf.

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Von besonderem Interesse für mich waren natürlich die Pferderennen. Diese werden auf einem eigenen Pferdeplatz eine Busstunde außerhalb der Stadt abgehalten. Shuttlebusse bringen Besucher/-innen von Ulaanbaatar dorthin. Bei den Pferderennen gibt es verschiedene Kategorien entsprechend dem Alter der Tiere, beginnend bei den Zweijährigen bis hin zu den Sechsjährigen und älter. Die mongolische Sprache kennt für jede dieser Altersgruppen einen eigenen Begriff. Hengste laufen in einer eigenen Klasse. Geritten werden die Tiere von Kindern. Das Mindestalter für die Teilnahme liegt bei sieben Jahren. Die Rennen gehen entsprechend der Altersgruppe der Pferde über verschiedene Distanzen. Wir sahen bei den Fünfjährigen zu, die über 24 km laufen, was das Zusehen in Summe eher langweilig macht. Die jungen Reiter/-innen sammeln sich ab ca. einer Stunde vor Rennstart und reiten am Weg zur Startlinie an der Tribüne vorbei. Nach Beginn heißt es um die zwei Stunden warten, bis der/die Sieger/-in auf der Zielgeraden einläuft. Die ersten fünf werden von bereitstehenden Reitern beim Einlaufen abgefangen. Erklärt wurde das in einer Broschüre damit, dass sich die Pferde beim Finish nicht zu sehr aufregen sollen und die Kinder in Gefahr bringen. Nach den gelaufenen 24 km sahen die Tiere aber schon ziemlich k.o. und eher unaufgeregt aus. Beim Sammeln und beim Start war das Nervositätslevel deutlich höher als beim Finish, bei dem das Feld aufgrund der großen Renndistanz schon sehr zerstreut einlief.

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Rückblickend betrachtet war es für uns die absolut richtige Entscheidung, die große Eröffnungszeremonie auszulassen und uns auf ausgewählte Bewerbe zu konzentrieren. Bei der Eröffnung werden zwar alle Disziplinen gesammelt präsentiert, man trifft dort aber vor allem zahlungskräftiges Publikum aus dem Ausland. Mongolen/-innen besuchen wohl hauptsächlich die Wettkämpfe.

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