In den Bergen in Kirgisistans

Wie geht’s danach weiter? Diese Frage stellten wir uns seit einigen Wochen. Die Mongolei war seit Beginn der Reise ein Fixpunkt im Sommer und da Südkorea seit einiger Zeit vom Tisch ist, war der Weg für neue Ziele offen. Ich hatte ja schon länger mit den Staaten Zentralasiens geliebäugelt, da ich nur sehr wenig über die ehemaligen Sowjetrepubliken weiß, aber bisher war eine Verwirklichung nicht in Reichweite. Eine preisgünstige Flug-Verbindung von Ulaanbaatar nach Bishkek und die kürzliche Öffnung Kirgisistans für den Tourismus durch visumsfreie Einreise von Bürgern „reicher“ Staaten haben uns die Entscheidung abgenommen. Wir fliegen nach Kirgisistan.

In Bishkek angekommen wollen wir erstmal nur ein paar Tage entspannen und nach der eintönigen Kost in der Mongolei vor allem wieder vernünftig essen. Da kommt uns das etwas ungewöhnliche aus Spiegeleiern und Salat bestehende Frühstück sehr entgegen. Endlich mal wieder kein Fleisch! Nachdem Bishkek aber auf den ersten Blick nichts zu bieten hat, fahren wir in den Osten des Landes in die Region Yssykköl. Mit dem zweitgrößten alpinen See der Welt (wie auch immer das definiert ist) und jeder Menge Bergen können wir schon eher etwas anfangen. Obwohl sich einige meist russische Touristen im See abkühlen ist die Wassertemperatur mit rund 19°C für uns zu kalt, daher widmen wir uns lieber den Bergen. Möglichkeiten gibt es zahlreiche, wir entscheiden uns für eine 5-Tage-Tour von Jeti-Ögüz nach Altyn Arashan. Mit einer Wanderkarte, dem gemieteten Zelt, einem Gaskocher und jeder Menge Lebensmittel geht’s am nächsten Morgen los. Die erste Etappe führt entlang eines Flusses etwa fünf Stunden leicht bergauf. Einzig das schwere Gepäck zwingt uns zu regelmäßigen Pausen bis wir am frühen Nachmittag auf etwa 2800 m campen. Der nächste Morgen beginnt so sonnig wie der erste Tag. Anfangs noch zwei Stunden dem Fluss entlang, dann aber biegt der Weg nach links auf den relativ steilen Hang ab. Das heutige Ziel ist den etwa 3800 m hohen Telety Pass zu überqueren. Immer wieder scheint der Pass am Horizont zu sein aber immer wieder verschiebt sich das Ziel nach hinten. Nach mehreren schweißtreibenden Stunden fällt der Hang endlich hinunter, der Pass ist erreicht. Leider hat das Wetter mittlerweile umgeschlagen. Kalter Wind und Schneeregen lassen uns den ohnehin dürftigen Ausblick nicht genießen und so steigen wir schnell ab. Nach etwa neun Stunden nehmen wir die erste Wiese als Gelegenheit wahr unser Zelt aufzustellen und campen auf ca. 3500 m.

Am nächsten Morgen wache ich auf und im Zelt ist es nicht mehr so kalt wie am Abend. Ein Blick auf die Uhr zeigt sieben Uhr, also nach Sonnenaufgang, aber trotzdem ist es noch relativ dunkel im Zelt. Der Gang nach draußen löst die Verwirrung auf. In der Nacht hat es zu schneien begonnen und das Zelt mit einer 5 cm dicken Wärmeisolierung bedeckt. Wir beschließen unsere Tour abzukürzen, also nicht wie geplant zum Alaköl-See hochzugehen, sondern auf besseres Wetter zu warten. Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wieder vom wolkenlosen Himmel und wir setzen den Abstieg fort. Nach jeweils ca. 4-5 Stunden kommen wir zwei Tage später wieder nach Karakol zurück.

Insgesamt eine sehr schöne Tour ohne Schwierigkeiten. Das gemietete Billigzelt und der noch günstigere Schlafsack aus der Mongolei sind von sehr minderer Qualität und außerdem mit insgesamt 6,3 kg sehr schwer. Vielleicht nehmen wir bei der nächsten Bergtour einen Pack-Esel als Begleitung mit, damit der Haussegen nicht schief hängt.

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Eine Anmerkung zu “In den Bergen in Kirgisistans

  1. Lina, Dietmar

    Hallo Markus & Conny, Lina und ich lessen weiterhin Eure Berichte mit Begeisterung! Euere Erlebnisse, Entdeckungen aber auch die Art, wie Ihr die Berichte verfasst ist immer tolles Lesevergnügen!
    Danke! Und bitte weitermachen … 🙂
    Liebe Grüße aus Linz!

    Antworten

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