Eine Karawanserei und 10.000 Petroglyphen

Ursprünglich wollten wir nach der Yssykköl-Region über Bischkek in den Südwesten Kirgisistans nach Osh fahren, da wir gehört hatten dass die Straßen hier am besten ausgebaut sind und der Weg über die Berge beschwerlich sein soll. Andere Reisende berichteten uns jedoch, dass der Umweg über Bischkek nicht notwendig sei und die Straße über Naryn und Kazarman nach Osh zwar nicht asphaltiert aber im Sommer dennoch gut befahrbar ist und sich zudem wunderbare Ausblicke auf die Berglandschaft bieten. Ein Marschrutka, wie das Kleinbus-Sammeltaxi in Kirgisistan genannt wird, brachte uns von Balyktschy am Nordende des Yssykköl-Sees nach Naryn.

80 km von Naryn entfernt liegt Tasch Rabat, eine Karawanserei aus dem 15. Jahrhundert, die Unterkunft und Schutz für Handelnde und Reisenden entlang der Seidenstraße bot. Nachdem diese Sehenswürdigkeit auch auf dem 20 Som-Schein abgebildet ist, wollten wir uns diese „Steinerne Herberge“, wie der Name angeblich übersetzt lautet, nicht entgehen lassen. Tasch Rabat liegt auf ca. 3100 Höhenmeter und ist auch Ausgangspunkt für Wanderungen unter anderem zum Tschatyrköl-See. In den umliegenden Jurten-Camps kann auch übernachtet werden. Da Tasch Rabat selbst recht klein und schnell besichtigt ist, kann ich jedem/-r nur empfehlen einen Ausflug dorthin entweder mit einer Nacht in einer Jurte oder einer Tageswanderung zu verbinden. Wir brachen nach Besichtigung der Karawanserei zu einem Pass mit rund 4.200 Höhenmeter auf, von wo aus man angeblich einen schönen Blick auf den Bergsee Tschatyrköl haben soll. Führer wurde uns keiner nahe gelegt, diese Möglichkeit wurde erst gar nicht erwähnt. Der Pass sollte ganz einfach zu finden sein – einfach dem Weg nach. Leider teilte sich der Weg bald und ohne Karte und Guide wurde es schwierig auszumachen wo der Pass denn nun liegen sollte. Anderen Touristen/-innen ging es an diesem Tag nicht anders. Ein spanisches Pärchen hatte sogar ein GPS-Gerät dabei, weshalb wir auch beschlossen diesen zu folgen, es wählte aber trotzdem leider den falschen Pass – ohne Seeblick. Dennoch war es ein schöner Wandertag in der kirgisischen Bergwelt. In der Gegend tummelten sich auch ein paar Yaks, die man scheinbar in Kirgisistan nicht so oft zu Gesicht bekommt wie zum Beispiel in der Mongolei und zahlreiche Murmeltiere.

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Am nächsten Tag machten wir einen Abstecher in ein kleines Dorf namens Eki-Naryn, das sich 44 km von Naryn entfernt auf einem Bergplateau am Rande einer Schlucht befindet. Eine nette Lage, die einen schönen Blick auf die Schlucht bietet, aber dass das Dorf in einem bestimmten Reiseführer mit Attributen wie wunderschön und hinreißend bedacht wird, ist doch etwas zu hoch gegriffen.

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Da zwischen Naryn und Osh keine Marschrutkas verkehren, musste die Weiterreise per Taxi erfolgen, was zwar relativ teuer aber trotzdem noch leistbar ist. In Kazarman gibt es, ähnlich wie in Naryn, lediglich Homestays und keine Hotels. Unsere Gastgeber, die Familie von Bakhtygul Chorobaeva, sind wohl die einzigen fließend englisch sprechenden Personen in der Gegend. Sie beherbergen in mehreren Häusern und Zimmern Gäste und organisieren bei Bedarf Tagesausflüge. Wie für uns zu Saimaluu Tasch, den Petroglyphen von Kazarman. Auf rund 3200 Höhenmeter sind verstreut in zwei Gebirgstälern über zehntausend gravierte Felsbilder zu finden, was die größte Sammlung Zentralasiens darstellt. Ihr Alter bewegt sich zwischen 2000 v. Chr. bis ins Mittelalter.

Um dorthin zu gelangen fuhren wir erst mal beinahe zwei Stunden mit einem Taxi zum Startort. Die Straße wird zur Zeit saniert bzw. überhaupt erst gebaut. Wir waren die meiste Zeit auf einer riesigen Baustelle auf der mehrere Tonnen Berg bewegt wurden unterwegs. Der Startort war das Heim einer Familie, wo wir darauf warteten, dass einer der Söhne unsere Pferde einfing. Nachdem es auch in Kirgisistan keine Koppeln gibt, kann es schon mehrere Stunden dauern bis die Pferde gefunden, vom Berg herunter getrieben und gesattelt sind. Da in der Gegend noch zu wenige Touristen/-innen unterwegs sind, zahlt es sich für die Einheimischen auch nicht aus Tiere für solche Fälle am Hof zu behalten. Für uns bedeutete das drei Stunden Zeit, das Leben dort zu beobachten und bei der Käseherstellung zuzusehen. Als die ersten Zweifel aufkamen, ob das denn heute noch was wird, galoppierten die Pferde auch schon den Hang herunter.

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Die Petroglyphen sind aufgrund der Schneebedingungen nur im August zugänglich. Der Weg ist stellenweise zwar sehr steil, aber gut erkennbar und es gibt kaum ausgesetzte Stellen. Der Berg kann auch zu Fuß erklommen werden. Da man doch gute 1000 Höhenmeter zu überwinden hat, würde ich in dem Fall eine Übernachtung oben bei den Petroglyphen empfehlen, um genug Zeit zu haben diese zu begutachten. Uns blieb sehr wenig Zeit die Felsgravuren abzugehen, die über ein relativ großes Areal verstreut liegen. Der Guide gab uns lediglich eine Stunde um zumindest ein paar Petroglyphen inspizieren zu können. Zu Pferd brauchten wir zwei Stunden um Saimaluu Tasch zu erreichen und zwei weitere Stunden für die Rückkehr ins Tal. Da wir erst kurz nach Mittag los reiten konnten drängte leider die Zeit. Auf dem Pferderücken ist man zwar um einiges schneller als zu Fuß, aber man weiß nie genau wie lange man auf die Vierbeiner warten muss. Für mich hat sich die Warterei auf jeden Fall gelohnt. Da ich noch nie bis auf über 3000 Höhenmeter geritten bin und auch noch nie zuvor ein alpines Schneefeld zu Pferd überwunden habe, stand das Reiterlebnis für mich bald im Vordergrund.

 

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