Im Walnuss-Wald von Arslanbob

Mit über 90% der Staatsfläche im Gebirge wird Kirgisistan auch die Schweiz Zentralasiens genannt. Da wäre es doch geradezu eine Schande nicht nochmal etwas Zeit in den Bergen zu verbringen, deswegen beschließen wir von Osh Richtung Norden nach Arslanbob zu fahren. Nach etwa 4 h und zweimal umsteigen erreichen wir das Zentrum des Dorfes.

P1110305 P1110198 P1110307Der erste Weg führt etwa 100 m in das Büro des außerordentlich gut organisierten CBT (Community Based Tourism). Hayat, der Leiter des Büros, zeigt uns Fotos von in dieser Gegend noch sehr einfachen Unterkünften und eine Broschüre mit diversen Touren rund um Arslanbob und wir finden auch schnell eine passende: 4 Tage über den Friendship-Pass zum Holy Lake und zurück nach Arslanbob. Sämtliche Ausrüstung kann gemietet werden, sodass wir jederzeit starten können. Leider verkauft hier niemand Gas-Dosen für unseren Kocher, daher müssen wir uns zusätzlich zum Guide auch noch einen Koch dazunehmen, was das ganze etwas teuer macht. Aber egal, es ist die letzte Tour unserer Reise und es gibt ohnehin keine andere Option.

Am ersten Tag buchen wir außerdem noch ein Packpferd dazu, das uns die anstehenden 1700 Höhenmeter erleichtert. Nach etwa sechs Stunden auf 3200 m angekommen schlägt das Wetter um und es beginnt zu schneien.

P1110213Am nächsten Morgen entscheidet der Guide, dass es zu gefährlich ist heute über den steilen Pass aufzusteigen. Im Vorfeld erfuhren wir, dass auf einem kurzen Stück des Weges teilweise geklettert werden muss. P1110218

Das in der Morgensonne schmelzende Eis verursacht jetzt jedoch viele Steinschläge und außerdem seien die Felsen rutschig, daher ändern wir unsere Route und anstatt den Pass zu überqueren und zum See hoch zu gehen, drehen wir ab und wandern zu Kyz-Korgon. Der Legende nach sollen die Frauen des Dorfes dort hinauf gebracht worden sein, um nicht von den anstürmenden Reitern Dschingis Khans entführt zu werden. Etwa 800 Jahre später verhalten sich zwar die Mongolen längst friedlich, aber die Gefahr entführt zu werden ist für viele kirgisische Frauen leider immer noch traurige Realität. Überall im Land werden Mädchen und junge Frauen von Männern gekidnapped und anschließend von der Familie des hoffnungsvollen Bräutigams zur Hochzeit „überredet“. Mittlerweile ist dieser Missstand – manche nennen es auch Tradition – illegal und wird mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Allerdings nur theoretisch, da dieses Gesetz laut einer Frauenbewegung nicht exekutiert wird.

Nach einer kurzen Rast an diesem geschichtsträchtigen Ort geht’s weiter Richtung Arslanbob durch den angeblich größten Walnusswald der Erde. Die Angaben zur Fläche des Waldes variieren sehr stark, als ungefähren Mittelwert führe ich die von unserem einheimischen Guide genannten 22000 ha rund um Arslanbob an. Im gesamten Gebiet Dschalalabat befindet sich nochmal etwa doppelt soviel Fläche. Trotz der für einen kleinen Menschen riesig erscheinenden Wälder ist Kirgisistan nicht in der Liste der 20 weltweit größten Walnuss-Produzenten vertreten.

P1110262 P1110294

Am letzten Tag treffen wir im Wald auf eine Gruppe von Frauen und Kindern, die sich zum Picknick im Wald getroffen haben und dort im Koran lesen und beten. Wir werden sofort eingeladen uns zu setzen. Sie servieren Tee und frisch frittierte Gemüse(!)-Tascherl, Obst, Süßigkeiten, Brot, Marmelade etc. und sobald man den letzten Schluck getrunken oder den letzten Bissen geschluckt hat, kommt auch schon wieder Nachschub. Auf die Frage, ob wir ein Foto machen dürfen, kommt als Antwort, dass wir alle Verwandte sind und vor Gott gleich, da wir allesamt Söhne und Töchter von Adam und Eva seien. Ein schöner Gedanke zum Ende der Tour von Angehörigen einer Religionsgemeinschaft, die in der heimischen Berichterstattung oft nur als Brutstätte von Terrorzellen dargestellt wird.

P1110279Am letzten Tag in Arslanbob entscheiden wir uns nochmal für einen kurzen Ausritt rund um Arslanbob. Der relativ steile Pfad scheint den Pferden bei kühlen Temperaturen und etwas Nieselregen überhaupt nichts auszumachen. Immerhin sind sie ja auch wieder größer und kräftiger als zuletzt in der Mongolei. Am Hochplateau angekommen werden wir Zeuge der Kartoffelernte, die gerade in vollem Gange ist. Viele Familien verlassen je nach Größe des Feldes und Anzahl der Familienmitglieder für zwei bis zehn Tage das Dorf und schlafen im Zelt auf den Feldern bis alle Kartoffeln geerntet wurden.

P1110315Am nächsten Morgen geht’s zurück nach Bishkek. Die Fahrt ist mit ca. neun Stunden sehr mühsam, aber die teils spektakuläre Aussicht während der Fahrt über zwei gut 3000 m hohe Pässe entschädigen ein bisschen. Das warme Hotelbett ebenfalls.P1110329 P1110334

Eine Anmerkung zu “Im Walnuss-Wald von Arslanbob

  1. Werner

    Keine HANDSCHUHE! Socken muss sie nehmen!
    Ausserdem ist das größte Walnusscentrum -> KRAHOF CITY. Kommt mal vorbei 🙂
    Bis Bald!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.