Flanieren in Lissabon

„Flanieren ist eine Art Lektüre der Straße, wobei Menschengesichter, Auslagen, Schaufenster, Café-Terrassen, Bahnen, Autos, Bäume zu gleichberechtigten Buchstaben werden, die zusammen Worte, Sätze, Seiten eines immer neuen Buches ergeben.“

Franz Hessel, Autor des Werkes „Ein Flaneur in Berlin“, beschrieb so eine entspannte Form des Stadtwanderns, die eine/-n oft Wege abseits von Touristenströmen beschreiten lässt. Dieses Schlendern durch die Straßen und Gassen ohne allzu viel Planung, am besten gänzlich ohne, finde ich eine sehr bereichernde Art eine neue Stadt zu entdecken. Einfach Zeit dort verbringen und dabei die Gedanken schweifen lassen. Leider kommt es vor allem auf Kurztrips doch immer wieder zu kurz, da wir ja dann doch die eine oder andere Sehenswürdigkeit eingeplant haben. Doch das episodische Flanieren dazwischen ist häufig das, was am längsten von einer Stadt hängen bleibt. Nicht die Jahreszahlen dieses einen wunderschönen Palasts (Kirche/Tor/Statue… was auch immer) sondern der Eindruck den die Lektüre der Straße vermittelt.

Lissabon ist meiner Meinung eine Stadt, die das Flanieren geradezu verlangt. Die großen Bauwerke sind natürlich sehr schön anzusehen. Aber um das Flair der Stadt mitzubekommen, kann ich jedem/-r Besucher/-in nur raten sich die Zeit zu nehmen und durch die engen Gassen Alfamas zu schlendern, die Bars und Beisln von Bairro Alto zu erkunden und durch Teile von Belém zu spazieren. Auch wenn überall sofort augenscheinlich wird, dass Lissabon mit maroder Bausubstanz zu kämpfen hat, empfängt einen die Stadt mit einer eigenen romantischen Stimmung. Obwohl die Stadt zwischen 1980 und 2010 300.000 Einwohner/-innen verloren hat, ist sie mit rund 545.000 (Metropolregion 3,2 Mio.) Menschen nach wie vor die größte Stadt Portugals. Die Abwanderung liegt unter anderem an der schlechten Qualität der Infrastruktur der Innenstadt und den hohen Quadratmeterpreisen.

Als wir in der Stadt waren, war gerade der portugiesische Nationalfeiertag, der Dia de Portugal. Die Gassen waren dementsprechend bunt geschmückt.

Gasse Lissabon

Abends wurden überall große Grill- und Trinkstände aufgestellt. Einwohner/-innen und Tourist/-innen speisten in den engen, rauchgeschwängerten Gassen gegrillte Sardinen und wandten sich ausgiebig Bier und Sangria zu.

Wir verbrachten zwei Tage damit durch Alfama, Bairro Alto und Belém zu ziehen. Die einzige Sehenswürdigkeit die wir dabei von innen sahen war das Castelo de Sao Jorge. Von der Festung bietet sich ein toller Blick über die Stadt, wie man am Beitragsbild oben sehen kann.

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Natürlich durfte bei der ganzen Flaniererei über die Hügel Lissabons die eine oder andere Pastéis de Nato zur Stärkung nicht fehlen. Ein wirklich schmackhaftes Blätterteigtörtchen mit Pudding.

Am dritten Tag fuhren wir mit dem Zug in das 25 km entfernte Sintra. Das UNESCO Weltkulturerbe ist auf jeden Fall einen Besuch wert, auch wenn es touristisch sehr überlaufen ist. Die Preise in den dortigen Lokalen sind dementsprechend gesalzen. Ein Spaziergang zur Burg Castelo dos Mouros und/oder zum Palácio Nacional da Pena ist dennoch empfehlenswert. Die Zugfahrt nach Sintra dauert circa 40 Minuten. Die dortige frische Meeresbrise ist besonders an heißen Tagen sehr willkommen.

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Wer tiefer in die Stadt eintauchen möchte, sollte sich wohl noch ein paar Tage mehr dafür Zeit nehmen. Lissabon bietet noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten die wir aufgrund der Kürze unseres Aufenthalts komplett ausklammern mussten. Auch weiteres Flanieren in anderen Teilen der Stadt und die Beobachtung des Alltags dort wären für mich ein Grund irgendwann noch einmal wiederzukommen.

 

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