Sofia, Bulgarien: von vielem ein bisschen (Nachtrag von 2016)

Nun schreiten wir schon mit zügigen Schritten in das Jahr 2017 hinein und ich habe es noch immer nicht geschafft ein paar Sätze zu unserem letzten Urlaub in Sofia online zu stellen. Das war im Juli. Nun haben wir Jänner und sogar in Wien einige Minusgrade. Da erinnere ich mich gerne an die hochsommerlichen Temperaturen jenseits der 35°C die wir in Sofia durchgängig hatten. Wie war das doch angenehm warm! Auch wenn die Stadtspaziergänge dadurch gerade einmal im Schneckentempo voran gingen. Da ich außerdem schwanger war wussten wir im Vorhinein, dass wir Tempo raus nehmen mussten und nahmen uns für Sofia eine Woche Zeit.

Wir buchten uns ein airbnb-Appartement um genügend Zeit zwischendurch zum Entspannen zu haben. Das Appartement war 10 Gehminuten von der Metrostation „Serdica“ entfernt und somit recht zentral gelegen. Die meisten Sehenswürdigkeiten waren zu Fuß erreichbar. Generell ist eine Woche für Sofia sehr großzügig bemessen. Genug Zeit um ein paar Tagesausflüge zu unternehmen.

Ein bisschen Vielfalt

Sofia selbst ist meiner Meinung eine Stadt, die von vielem ein bisschen was hat:  archäologische Funde des antiken Serdica im Zentrum der Stadt, schöne sakrale Bauten wie die Banja-Baschi-Moschee (die letzte aktive Moschee Sofias) oder die Alexander-Newski-Kathedrale des bulgarischen Patriarchen, eine Einkaufsstraße zum Flanieren (Witoscha Boulevard) und nette säkulare Bauwerke wie z.B. das Parlamentsgebäude.

Eigentlich wollten wir auch zum „Hausberg“ Sofias, dem Witoschagebirge, fahren und dort ein bisschen spazieren gehen. Leider fuhr der Bus nicht, da die Strecke saniert wurde. Obwohl wir in der Touristeninformation danach gefragt haben, erfuhren wir das allerdings erst an der Bushaltestelle, vor dem Zoo Sofias. Aus Mangel an Alternativen gingen wir stattdessen durch den Tierpark. Keine gute Idee. Davon kann ich jedenfalls nur abraten. Vor allem der Tiger und die Braunbären waren traurig anzusehen.

Auch kein Highlight war das Nationale Historische Museum. Was mir dazu einfällt ist: eher düster und staubig, schlecht beschildert, wenig auf Englisch erklärt und vor allem hört es mit dem Jahr 1945 auf. Von wegen „Überblick über die bulgarische Geschichte … bis in die heutige Zeit“ wie es beispielsweise auf Wikipedia beschrieben ist. Zumindest der Weg dorthin war nicht uninteressant. Ich mag diese Busfahrten durch Wohngebiet, wo üblicherweise keine oder kaum Touristen unterwegs sind und man Zeit hat die Bevölkerung und das Leben etwas zu beobachten.

Sofia Nationales Historisches Museum Bulgariens

Das Museum das man sich sparen kann

Sehr empfehlenswert fand ich dagegen die Walking-Tour zur kommunistischen Vergangenheit („365: Communist Tour“, gebucht über Viator / TripAdvisor). Ein geführter Spaziergang durch die Stadt mit interessanten Geschichten zu Bauwerken, Plätzen und Begebenheiten. Spannend fand ich unter anderem die Geschichte dieser beider Denkmäler:

Das Denkmal der sowjetischen Armee wurde 1954 anlässlich des 10. Jahrestages der Befreiung Bulgariens durch die Rote Armee errichtet. So die russische Interpretation. Die Gegenseite sieht eher ein Symbol der Besetzung und Unterdrückung darin. Es zeigt oben einen Soldaten der roten Armee der eine Waffe in die Luft hält, daneben ein Mann und eine Frau mit Baby. Am Sockel zeigen mehrere Reliefs Szenen der Roten Armee. Eines dieser Reliefs wurde seit 2011 bereits mehrmals Opfer politischer Aktionen, wobei die erste Aktion jedenfalls die gelungenste war.

Sofia Kriegerdenkmal

Das Relief des Denkmals der Sowjetarmee im Original

Eine Künstlergruppe verkleidete die Soldaten als Superman, Joker, Robin, Captain America, Ronald McDonald, Santa Claus, Wolverine, The Mask und Wonder Woman. Das Ergebnis könnt ihr euch hier ansehen. Daraufhin wurde das Denkmal videoüberwacht. Dennoch schafften es andere Gruppen immer wieder einmal das Denkmal für verschiedene politische Botschaften einzufärben. So zum Beispiel noch am 21. August 2013 zum Gedenken an den Prager Frühling in pink oder am 23. Februar 2014 in den ukrainischen Nationalfarben zur Unterstützung der Euromaidan Bürgerproteste.

Das zweite Denkmal ist ebenso kontroversiell und vermutlich das hässlichste Denkmal zumindest Europas. Aber seht selbst…

Denkmal "1300 Jahre Bulgarien"

Denkmal „1300 Jahre Bulgarien“

Es wurde 1981 anlässlich der Feierlichkeiten zum 1300jährigen Bestehen des bulgarischen Staates errichtet. Zuvor soll dort ein Kriegsdenkmal gestanden sein, das an die Soldaten, die in den Balkankriegen und im ersten Weltkrieg gefallen waren, erinnerte. Dieses wurden vom kommunistischen Regime zerstört und stattdessen wurde dieses „Prachtstück“ gebaut. Bereits ein paar Jahre nach der Errichtung begann das Denkmal zu bröckeln. Ein Zaun wurde errichtet um Besucher*innen vom lebensgefährlich gewordenen Denkmal fern zu halten. Meines Wissens gibt es Bestrebungen das Monument abzureißen und stattdessen das Kriegsdenkmal wieder aufzubauen.

Tagesausflug nach Plowdiw

Ungefähr Mitte der Woche entschieden wir uns dazu das römische Theater in Plowdiw anzusehen. Die zweitgrößte Stadt Bulgariens ist mit dem Bus sehr gut erreichbar. Busse fahren stündlich vom zentralen Busbahnhof Sofias und brauchen rund zwei Stunden nach Plowdiw. Auch der Rückweg ist unproblematisch. In Plowdiw spazierten wir vom Busbahnhof zu Fuß in die Altstadt. Meiner Erinnerung nach brauchten wir gemütliche 15 Minuten ins Zentrum.

Karte Plowdiw Bulgarien

Plowdiw ist ein nettes, kompaktes Städtchen. In der Altstadt, die auf einem Hügel liegt, stehen einige sehr schön anzusehende Häuser des 19. Jahrhunderts. Vom römischen Theater hat man einen guten Blick auf die darunter liegende Stadt. Eine Abendveranstaltung dort zu besuchen wäre sicher ein außergewöhnliches Erlebnis. Plowdiw ist außerdem eine Künstlerstadt mit vielen Ateliers und Galerien. Beim Stadtspaziergang fanden sich zahlreiche kunstvolle Graffitis auf Hausmauern, Strom- oder Briefkästen.

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Graffitis in Sofia

Da uns Plowdiws Straßenkunstwerke so gut gefielen, machten wir uns auch in Sofia danach auf die Suche. Wir hatten zuvor schon davon gelesen und einen Stadtteil als Tipp für die Suche bekommen. Einfach zu finden waren sie aber nicht und wir haben sicherlich nur einige wenige Exemplare entdeckt.

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Ich finde davon könnten wir uns in Wien eine Scheibe abschneiden und so manchen Strom- oder Postkasten farbenprächtig gestalten lassen.

Tagesausflug zum Kloster Rila

Ein weiterer zu empfehlender Tagesausflug ist der Besuch des Rila-Klosters im gleichnamigen Gebirge. Es ist ein UNESCO Weltkulturerbe und Nationalheiligtum. Nicht nur Agenturen fahren das Kloster mit Touristen an, sondern es ist auch mit dem Bus von der Busstation „West“ aus erreichbar. Allerdings fährt dieser nur einmal am Tag um 10.20 Uhr (Stand: Juli 2016). Wir erreichten Rila um 13.15 Uhr. Möglich wäre 30 Minuten früher gewesen, aber der Bus legte im letzten Örtchen kurz vor dem Kloster noch eine 30minütige Pause ein. Nur um dann dort wieder zwei Stunden herum zu stehen. Die Rückfahrt nach Sofia startete um 15.00 Uhr. Diese nahezu zwei Stunden reichen aus, um das kleine Kloster zu besichtigen.

Wer gerne wandern geht und ein paar Tage Zeit aufbringen kann, sollte unbedingt in Erwägung ziehen vom Kloster aus eine längere Wandertour in die malerische Bergwelt zu unternehmen. Uns wurde erzählt, dass es dort ein gut beschildertes Wegenetz gibt und einige Hütten zur Übernachtung zur Verfügung stehen. Bei unserem nächsten Besuch Bulgariens steht das jedenfalls auf unserer To-Do-Liste. Im Kloster kann man auch für rund 10 Euro pro Doppelzimmer übernachten (Stand: Juli 2016). Die Zimmer sind spartanisch ausgestattet. WC/Dusche und Waschbecken befinden sich am Gang. Aber für den Start einer Wandertour reicht es allemal. Ansonsten gibt es auch die Möglichkeit im 30 Autominuten entfernten Rila zu übernachten. Oder in einem teuren Hotel neben dem Kloster.

Bulgarien hat uns sicher nicht das letzte Mal gesehen. So steht zum Beispiel ein Besuch der Schwarzmeerküste noch aus und die Bergwelt möchten wir definitiv noch näher erkunden.

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